SÜDWEST PRESSE Kulturspiegel 27.08.2011

 

Im Spannungsfeld

Lena Grundhuber

Neugier ist ihre Geschäftsgrundlage: Seit zwei Jahren betreibt Charlotte Smuda-Jescheck im Werkraum ihre Galerie. Gezeigt wird, was ihr gefällt – Junges und Altes, Expressives und manchmal auch „fast Nichts“. 

Charlotte Smuda-Jescheck ist jetzt 57 Jahre alt und hat eben ihren zweiten Geburtstag gefeiert – als Galeristin. In diesem zarten Alter, findet sie, hat man durchaus das Recht und das Potenzial zu lernen. Hingabe brauche es halt und Power; an beidem scheint es der Frau mit den neugierigen braunen Augen nicht eben zu mangeln. Erst 2009 ist die Architektin ihres Mannes wegen aus München nach Ulm gezogen. Dort fand sie den rund 35 Quadratmeter großen „Werkraum“ für Architektur und Design. Neben den anderen Mitgliedern des Trägerkreises bespielt sie den Raum nun den Großteil des Jahres.

Viel herzlicher hätte die Stadt sie nicht empfangen können als mit diesem kleinen Laden in der Rabengasse 16. Neben der „Galerie Smudajescheck“ – für die Galerie ist der Doppelname verschmolzen – blühen die Heckenrosen, gegenüber hängen blaue Trauben über den Türstock und geradeaus schaut man zwischen schmiedeeisernen Schildern hindurch auf das Schiff des Münsters. Charlotte Smuda-Jescheck hat sich jedenfalls einen Stuhl vor die Türe gestellt, denn dort ratscht es sich am schönsten. Sie habe lange darüber nachgedacht, eine Galerie zu eröffnen, erzählt sie. Als Architektin habe sie von Hause aus eine Affinität zu Kunst. Den entscheidenden „Kick“ aber habe ihr München gegeben, wo sie im Galerienviertel, neben der Kunstakademie, wohnte, die Diplomanden- und Jahresausstellungen quasi vor der Haustür.

Charlotte Smuda-Jescheck ist eine jener Galeristinnen, die sich auch nach ganz jungen Talenten umsehen. Dabei folgt sie ihrer Neugier, die sich im Prinzip auf das ganze „Spannungsfeld“ der zeitgenössischen Kunst richte, wie sie sagt – von der lebhaften Farbigkeit des Koreaners Ji In Park bis zum pastelligen „fast Nichts“ auf den Blättern eines Antonio Calderara, der längst gestorben ist. „Es ist eine Mehrgenerationengalerie. Ich bin viel zu neugierig, um mich einzuschränken“, sagt die Mutter dreier erwachsener Kinder. „Meine Künstler wachsen mit mir, und ich mit ihnen.“ Als Galeristin mag sie neu im Geschäft sein, aber Charlotte Smuda-Jescheck scheint das Projekt sehr professionell voranzutreiben. Qualität muss es haben, was hier hängt. Und die muss sie, will sie auch verkaufen.

Smuda-Jescheck weiß, was sie ihren Künstlern schuldig ist. „Es ist mir wichtig, die Künstler hier auszustellen und sie dann auch weiterzubringen.“ Sie betreibt die Galerie als Vollzeitjob, besucht Ateliers und die Kunstmessen, versucht überall, Netze zu knüpfen. Die aktuelle Ausstellung mit Jean Hannon Douglas, Carin Riley und Molly Stevens etwa ist Ergebnis einer Reise nach New York. Daneben realisiert sie auch Projekte im Außenbereich: Mit Marianne Hollenstein hat sie eine temporäre Installation in der Münchner Musikhochschule – dem ehemaligen NS-Führerbau – konzipiert. In einer Industriehalle Großformate von Ji In Park ausgestellt. Auch in der SWP-Galerie – einst Kurt Frieds „studio f“ – war sie mit einer Ausstellung zu Gast.

Besonders stolz ist sie auf den Coup, der ihr jüngst gelungen ist: Zusammen mit der Berliner Galerie Läkemäker präsentiert sie im September Ji In Park und Lev Khesin auf der Preview Berlin. Die Stadt Ulm mit ihrer HfG-Tradition, mit der Sammlung Fried, mit Sammlern wie Weishaupt oder Walther müsse man viel stärker noch als Kunststandort ins Bewusstsein rufen, findet Charlotte Smuda-Jescheck. Kaum aus der Hauptstadt zurück, plant sie deshalb Ende September mit den Kollegen von der Fischerplatzgalerie und Tobias Schrade gleich das nächste Projekt – einen Rundgang durch diese drei Ulmer Galerien.