Kirk Sora

CV

Gemeinhin werden Fotografen als Welterkunder angesehen. Sie reisen in nahe oder ferne Orte, um uns Landschaften oder Menschen näher zu bringen, inszenieren ihre Träume und Phantasien im Studio oder dokumentieren Orte und Strukturen.

Die Welt der fotografischen Erkundungen von Kirk Sora ist eine schwarze Box. Mit mattem Stoff ausgeschlagen hat sie Ähnlichkeit mit einem Bühnenbildmodell. Einer Versuchsanordnung gleich arrangiert der Künstler abstrakte Gegenstände, die bearbeitet und gefärbt sind, Stofffetzen und anderes, was sein Geheimnis bleiben soll. Sein Studio ist eine Blechtonne am Rande der Pferdekoppel im mecklenburgischen Bobitz, wo Kirk Sora seit einigen Jahren wohnt und arbeitet.

Die Fotografien die aus diesem ungewöhnlichen Studio den Weg auf den Kunstmarkt finden, sind für den oberflächlichen Betrachter vermutlich nur unscharfe Abbilder undefinierbarer Objekte. Kirk Soras Bilder fordern uns in vielfältiger Weise. Man muss sich Zeit nehmen, ihr Geheimnis zu ergründen und bald wird klar, dass dieses Geheimnis irgendwo in der Tiefe des Bildraumes liegt und das der wichtigste Partner dieses Fotografen im Besonderen das Licht ist. „Das Licht fühlt sich jeden Tag anders an, auch wenn es messbar vielleicht die gleiche Intensität hat. Das ist eine wichtige Inspirationsquelle für mich. Ich werde zunehmend sensibler für die im Licht enthaltenen Informationen“, sagt er selbst dazu.

Für den 1976 in Celle geboren Kirk Sora war schon in der Jugendzeit klar, dass er Maler werden will. Den Bewerbungen an Kunsthochschulen folgten mehrere bestandene Eignungsprüfungen, darunter auch an der, für ihre harte Zeichenprüfung berüchtigten, Leipziger Hochschule. Kirk Sora entschied sich für die Dresdener Akademie, wo er schließlich von 1998 bis zum Abschluss als Meisterschüler bei Hans Peter Adamski 2005 studierte. Vor allem die klassische künstlerische Ausbildung im Grundstudium bei Siegfried Klotz und Elke Hopfe sieht er rückblickend als wichtige Basis seiner heutigen Arbeit. Öl- und Acrylmalerei, Siebdruck und Radierung – die handwerkliche Basis mit einem frühzeitigen Bezug zur eigenen Kunst hat Kirk Sora als ein Angebot verstanden, von dem aus er seinen eigenen Weg entwickeln konnte. Die Grundfragen des Bildnerischen, das Begreifen des Raumes, der Komposition und der Farbe sind bis heute eine Herausforderung.

So hatte Kirk Sora 2005 in seinem damaligen Berliner Atelier zwar schon einige, wie er selbst sagt, „akademisch ordentliche“ Ölbilder versammelt, aber irgendetwas fehlte. „Wie komme ich dahin, dass es nicht nur aussieht, wie es sein soll … sondern sich auch so anfühlt?“ Die Auseinandersetzung mit dieser Frage fiel zeitlich mit dem Umzug nach Mecklenburg zusammen. Weit weg vom gewohnten künstlerischen Umfeld, aber auch ohne die Störfaktoren der Großstadt fand Kirk Sora schließlich in der Fotografie den „missing link“, das ideale Element für seine künstlerischen Herausforderungen. Nach jahrelangem Feinschliff – die Komplexität des Mediums Fotografie hatte er zunächst völlig unterschätzt – kann er heute den Prozess der Bildwerdung hinreichend steuern, ist nicht mehr auf Zufallstreffer angewiesen. Der abgesteckte Rahmen ist dabei durchaus konzeptionell.

Gearbeitet wird ausschließlich mit natürlichem Licht. Alte „Zeiss Ikon Ikonta“ Mittelformatkameras sind die technische Basis. Das quadratische 6×6 Bildformat hat keine eigene Grundspannung und bietet deshalb die größte Gestaltungsmöglichkeit. An jedem Arbeitstag wird so ein Rollfilm
mit exakt 12 Aufnahmen belichtet. Da die einfache Kamera keinen Sucher hat, der direkt den abgebildeten Ausschnitt kontrollieren lässt, ist es vor allem die Erfahrung der konzentrierten jahrelangen Auseinandersetzung mit seiner „Versuchsanordnung“, die Kirk Sora heute zielsicher zu seinen Bildkompositionen führt. „Ich möchte mich nicht immer wieder neu erfinden, sondern immer tiefer in die Materie eindringen. Die anfänglichen Bedenken, wie lange man so was machen kann, zerstreuen sich immer mehr, weil sich immer neue Horizonte öffnen“

Die Bildwelten des Künstlers führen uns in eine Terra incognita, die irgendwo zwischen unserer durch vollkommene Schärfe bestimmten Alltagwahrnehmung und einer völligen Definitionslosigkeit liegt. „Es entsteht ein Raum neuer Emotionalität. Im besten Fall werden dann
bestehende Dinge aus einer andren Perspektive sicht- und fühlbar.“

Thomas Häntzschel, 2106